Der 12-Stunden Tag – Vor- oder Nachteil für Arbeitnehmer?

Er ist momentan in aller Munde – der mit Gesetz per 1.9.2018 beschlossene 12-Stunden Tag, der es Arbeitgeber ermöglicht die Tageshöchstarbeitszeit ihrer Mitarbeiter auf 12 Stunden und die Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden auszuweiten. Zu berücksichtigen ist hier, dass der Durchschnitt der geleisteten Stunden in einem 17-Wochen Zeitraum „nur“ 48 Stunden betragen darf. Aber ist diese Neuregelung für den Arbeitnehmer nur nachteilig?

Umfrage sieht sinkende Zustimmung

Einer Market-Umfrage (siehe Presse-Artikel vom 15.11.18) zufolge lag die Zustimmung des 12-Stunden-Tages im Jahr 2017 noch bei 58 Prozent und im April 2018 bei 51 Prozent. Im Oktober 2018 beurteilten nur noch 39 Prozent die mögliche Ausweitung der Tageshöchstarbeitszeit auf 12 Stunden als positiv. In der Öffentlichkeit gab es seit Einführung der neuen Regelung offenbar die Wahrnehmung, dass das neue Arbeitszeitgesetz eher zum Nachteil der Arbeitnehmer gelangt. Von Market wurde auch die Arbeitgeberseite befragt. Hier beurteilen drei Viertel der befragten Unternehmen den 12-Stunden Tag positiv.

Die Berichterstattung und auch die Medienberichte in jüngster Zeit haben jedenfalls nicht unbedingt für ein positive Wahrnehmung gesorgt. So konnte man immer wieder lesen, dass es mit der eigentlich im Gesetz festgelegten Freiwilligkeit bei der Leistung von 12 Stunden bei manchen Betrieben nicht weit her ist.

Auswirkungen der neuen Regelungen

Aufgrund der neuen Regelung bekommen sowohl Beschäftigte als auch Arbeitgeber die Möglichkeit ihre Wochenarbeitszeit flexibler einzuteilen, wobei die 11. und 12. Arbeitsstunden an einem Tag vom Arbeitnehmer freiwillig erbracht werden muss. Überstunden dürfen nach wie vor nur bis zur Höchstgrenze von 10 Arbeitsstunden am Tag angeordnet werden. Die 11. und 12. Überstunde kann vom Arbeitnehmer ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Das Problem hierbei ist natürlich die Nachweisbarkeit der Freiwilligkeit. Dieses Problem wird wahrscheinlich hauptsächlich Arbeitsverhältnisse im blue-collar- sowie schlechter ausgebildeten Bereich (Produktion, Hilfskräfte, …) betreffen, da Beschäftigte mit hohem Ausbildungsniveau über eine stärkere Verhandlungsmacht verfügen.

Ob diese zusätzliche Flexibilität dem Arbeitnehmer jedoch viel nützt, wage ich zu bezweifeln. Vor allem wenn man Kinder zu versorgen hat. Denn Kindergärten und Horts haben kaum länger als bis 17 Uhr bzw. 17:30 geöffnet. Weiters gab es bereits bisher Möglichkeiten Arbeitszeiten flexibel zu gestalten (Gleitzeit, Aufteilung der bisherigen Normalarbeitszeit auf 4 Tage/Woche).

FAQs mit weiteren Erläuterungen zum neuen Arbeitszeitgesetzt finden Sie hier.

Bildquelle: Bigstock/243848380

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